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Freitag, 18. April 2014

Ein dickes Ei im Osternest

Die Ostertage stehen vor der Tür. Der sonst so hektische Alltag wird etwas entschleunigt und die Menschen gedenken der Auferstehung Jesu Christi. Auch ich mache mir hierzu ein paar Gedanken und versuche nebenher, mich bestmöglich den neuen Lebensumständen anzupassen. Und obwohl ich nichts von Ostergeschenken halte, hat mir der Osterhase ein ziemlich dickes Ei ins Osternest gelegt, über dem ich das vergangene Wochenende gebrütet habe.

Bisher war und ist es so, dass meine Erkrankung mich zwar spürbar beeinflusst, ich aber trotzdem ein selbstständiges und unabhängiges Leben führen kann. So kann ich mich bspw. selbst ernähren, treibe Sport und bin dank meines fahrbaren Untersatzes jederzeit mobil. Allerdings gibt es auch Dinge, die mich beschäftigen und für die ich eine Lösung finden möchte und muss.

Meine berufliche Perspektive ist z.B. so ein Thema. Im Sommer läuft mein Krankengeld aus und bisher ist noch offen, wie es dann weitergeht. Ich möchte mich auf keinen Fall frühzeitig verrenten lassen und für den Rest meines Lebens daheim sitzen und die Wände anstarren. Dazu fühle ich mich eindeutig noch zu fit und denke, ich könnte zumindest als Teilzeitkraft irgendwo arbeiten.

Um diesbezügliche Möglichkeiten zu besprechen und auszuloten, hatte ich am Tag vor meiner Entlassung aus der Klinik um ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Sozialdienstes gebeten, welches am Tag darauf schließlich zustande kam. Mit dabei waren meine Mutter und meine Tante aus Heidelberg, die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist und deren Meinung uns daher nicht ganz unwichtig war. Außerdem hatten wir für 13:30 Uhr ein Gespräch mit einer der Stationsärztinnen vereinbart, zu dem wir meine Tante sowieso hinzugebeten hatten.

Kurz gefasst war das Ergebnis der Unterredung mit dem Sozialdienst, dass man mir eine stationäre Rehamaßnahme empfiehlt. Es gebe eine Klinik in Konstanz am Bodensee, die für junge Leute wie mich sehr geeignet sei. Dort könne ich bspw. lernen, mit meiner Erkrankung richtig umzugehen und bekäme außer geeigneten Therapieeinheiten auch eine ärztliche Beurteilung meiner Arbeitsfähigkeit.

Ehrlich gesagt hatte ich mir schon geraume Zeit vorher gedacht, dass mir irgendwann jemand eine Anschlussheilbehandlung empfehlen würde. Und ich möchte auch absolut nicht bestreiten, dass eine Reha bei einer solchen Erkrankung durchaus Sinn machen kann. Nur: Woher will die Dame wissen, dass ich eine Reha benötige, um angemessen mit meiner Erkrankung umgehen zu können? Und schiebt eine Reha meine Probleme nicht lediglich um vier Wochen auf, so dass ich vor den selben Problemen stehe, sobald ich wieder zuhause bin?

Zumindest die erste Frage kann ich klar und eindeutig beantworten. Zwar frage ich mich schon, welchen Verlauf meine Erkrankung nehmen und wie es mir in fünf oder in zehn Jahren gehen wird. Aber zurzeit kann ich wirklich nicht behaupten, dass es mir psychisch besonders schlecht geht. Ich finde, man muss immer nach vorne schauen und das Bestmögliche aus der Situation machen. Und außerdem habe ich nur dieses eine Leben, daher habe ich keine Zeit für schlechte Laune und Trübsal blasen. Die Krankheit wird also mit mir leben müssen, nicht ich mit der Krankheit!

In der Hoffnung, dass mir eine Reha in einer guten Klinik ein Stück weiterhilft, habe ich der Dame am Montag schließlich zugesagt. Angeblich erspare man sich einen Haufen Papier und lange Wartezeiten, wenn man sich schnell entscheidet und die Reha spätestens zwei bis drei Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus antritt. Schauen wir mal, ob und wann ich demnächst Post im Briefkasten haben werde!

Ich wünsche allen Lesern ruhige, schöne und besinnliche Ostertage.

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