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Dienstag, 17. Juni 2014

Anspruch und Wirklichkeit

Mit meinen Therapeuten und deren Anwendungen bin ich soweit eigentlich recht zufrieden. Allerdings gibt es auch Einheiten, deren Anforderunsgrad gerne noch ein wenig höher sein dürfte. Dazu zählt unter anderem eine Therapie, von der ich mir am meisten versprochen hatte: die Physiotherapie.

Wenn ich an meinen Krankenhausaufenthalt in Heidelberg zurückdenke, gerate ich noch immer ins Schwärmen von der großartigen Physiotherapie, die ich dort erhalten habe. Mein dortiger Therapeut hat wirklich einen super Job gemacht und ich habe sehr von seiner Erfahrung und seinem Wissen profitiert. Die Einheiten, die ich bei ihm absolviert habe, haben mir jedesmal gezeigt, was für junge Parkinson-Patienten wie mich wichtig ist. Das sind erstens große, weite Bewegungen mit den Armen und dem Oberkörper sowie eine aufrechte Körperhaltung. Zweitens kommen geeignete Übungen für die Motorik und die Koordination der Beine hinzu und drittens sollten ein paar kräftigende und dehnende Elemente nicht fehlen. Zu seinem sehr guten Programm kam hinzu, dass er fast täglich bei mir im Zimmer stand und gefragt hat, ob ich Zeit und Lust habe, er hätte gerade Zeit für mich. Und wenn ich später zurück auf mein Zimmer gelaufen bin konnte ich deutlich nachspüren, dass der gute Mann mich ordentlich aus meinen Fischgräten gestoßen hat.

Hier in Konstanz ist mein Programm bisher deutlich weniger anstrengend. Bei meiner Physiotherapeutin absolviere ich Übungen, die mich körperlich nicht wirklich besonders beanspruchen. Das setze ich für eine gute Physiotherapieeinheit zwar nicht unbedingt voraus. Aber ein wenig intensiver und fordernder dürften die Einheiten gerne sein. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Meine Therapeutin ist der Meinung, ich müsse mir ein intensives Sport-Programm in meiner Freizeit selbst organisieren. Ich hingegen denke, dass man mit einer guten Therapie schon einiges abdecken könnte. Gott sei Dank habe ich zwei Mitstreiter gefunden, mit denen ich abends ab und an noch ein wenig um die Tischtennisplatte in der Sporthalle herumspringen kann.

Was mir auch nicht ganz gefallen hat ist die Tatsache, dass ich darum bitten musste, am Nordic Walking und an der Tischtennis-Gruppe teilnehmen zu können. Diese beiden Angebote hätten für jemanden wie mich, der in seiner Bewegung verlangsamt und verarmt, aber durchaus körperlich belastbar ist, vom ersten Tag an eingeplant werden können.

Auch an zwei Dingen, die hier im Haus Standard zu sein scheinen, störe ich mich ein wenig. Das eine ist, dass ich meine Stationsärztin recht selten zu Gesicht bekomme. Am Tag meiner Anreise war ich zu einer ersten ärztlichen Untersuchung bei ihr und habe sie anschließend noch einmal bei der Visite gesehen, die einmal in der Woche stattfindet. Für mich ist das deshalb nicht ganz unwichtig, weil ich laut des ärztlichen Abschlussberichts der Uniklinik Heidelberg die Dosis meiner Tabletten eigentlich regelmäßig steigern soll. Das habe ich auch dem ärztlichen Leiter der Neurorehabilitation mitgeteilt, der mich am dritten Tag meines Aufenthaltes zum Eingangsgespräch gebeten hatte. Für morgen ist in meinem Plan die nächste Visite eingetragen.

Das andere ist etwas, das ich zwar für mich behalten werde, was mir bei meiner Anreise aber trotzdem negativ aufgefallen ist. In meinem Bad lagen nämlich ausreichend Handtücher bereit, ein Stück Seife habe ich aber vergeblich gesucht. Ein Flüssigseifen-Spender war somit das erste, was ich bei meinem ersten Einkauf in der Stadt besorgt habe.

Am Sonntagnachmittag habe ich meine Stationsärztin auf dem Gang getroffen und mich kurz mit ihr unterhalten. Ich habe ihr gesagt, dass nach meinem jetzigen Eindruck mein Aufenthalt hier im Haus nach der vierten Woche zu Ende sein wird und ich auf eine mögliche Verlängerung verzichte. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass ich gerne noch einmal über diese Entscheidung nachdenke, wenn man eine fünfte Woche für mich einplant, die mich vom Programm her überzeugt. Immerhin hat sie mir versichert, sie würde schauen, was sie für mich tun kann. Man darf gespannt sein!

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