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Dienstag, 3. Juni 2014

Geht doch!

Am letzten Freitag haben sich für zwei Angelegenheiten, die mir in den letzten Tagen und Wochen oft im Kopf herumgegangen sind, halbwegs zufriedenstellende Lösungen ergeben. Ich rede schreibe von der schon länger genehmigten Reha, die ich absolvieren soll, und von meiner Rollstuhl-Versorgung.

Ich muss zugeben, dass ich den Damen und Herren der Reha-Klinik in Konstanz bei der Suche nach einem Aufnahmetermin für mich etwas unter die Arme gegriffen habe. Und zwar habe ich ihnen am Donnerstag per E-Mail mitgeteilt, dass ich nicht länger bereit bin, zuhause zu sitzen und auf Nachricht vom Bodensee zu warten. Falls mir bis zum 9. Juni (Anfang nächster Woche) kein Termin für meine stationäre Aufnahme mitgeteilt worden wäre, hätte ich bei der Deutschen Rentenversicherung entweder um eine andere Klinik gebeten oder ich hätte die Rehamaßnahme schlichtweg abgesagt. Habe ich den Damen und Herren so geschrieben und hätte ich auch so gemacht. Hätte ist Konjunktiv, die sog. Möglichkeitsform. Dieser Fall wäre somit zwar möglich gewesen, ist aber nicht eingetreten. Warum nicht? Weil ich am Freitag zwei E-Mails im Posteingang gefunden habe, die das verhindert haben. In einer "Zwischennachricht" informierte man mich, man habe mich nicht vergessen, jedoch habe die aktuelle Belegungssituation eine Aufnahme bisher leider nicht zugelassen. In der anderen E-Mail stand, ich sei zur stationären Behandlung angemeldet worden und man würde mich für Dienstag, den 03.06., zur Aufnahme in die Klinik einladen.

Im ersten Moment war ich doch ein wenig überrascht. Einerseits, weil es plötzlich ziemlich fix gegangen ist mit der Einbestellung in die Klinik und andererseits, weil es bis Dienstag nicht mehr lange hin war und ich bis dahin Wäsche zu waschen und meine sieben Sachen zusammenzusuchen hatte. Darüber hinaus bin ich bei meinem Hausarzt gewesen, weil er mir auf einem Formular per Stempel und Unterschrift bescheinigen musste, dass ich für die Reha körperlich belastbar und reisefähig bin. Fehlt diese Bestätigung, braucht man als Patient gar nicht erst zur Reha zu fahren. Denn ohne dieses abgestempelte und unterschriebene Blatt Papier findet keine Rehabilitation statt.

Ich könnte mich jetzt darüber ärgern, dass plötzlich alles schnell gehen musste und für mich etwas stressig war. Erst hört man lange nichts, dann soll man auf einmal flexibel sein. Aber ich mache mich deswegen nicht verrückt. Ich werde vier Wochen in dieser Klinik verbringen und versuchen, von meinem Aufenthalt so gut es geht zu profitieren. Und wenn ich zurück bin will ich mich wieder ins Berufsleben eingliedern. Schließlich möchte ich nicht ewig zuhause sitzen. Auch, wenn es vielleicht erst einmal nur ein paar Stunden in der Woche sind, die ich arbeiten gehe. Gegenüber meiner jetzigen Situation wäre das schon ein echter Fortschritt.

Trotzdem frage ich mich schon, was genau man sich in meinem Fall von einer stationären Reha verspricht. Mir ist klar, dass Reha-Kliniken im Allgemeinen viele verschiedene Angebote unter einem Dach anbieten können. Aber ich habe mich nicht unbedingt wegen dieser vielen Möglichkeiten für eine Reha-Maßnahme entschieden. Ich möchte vor allen Dingen von der Beratung und der Hilfestellung profitieren, die ich in der Klinik bekommen kann. Und zwar geht es mir vor allem um Beratung bezüglich der Frage, wie ich meine Arbeitsfähigkeit erhalten und vielleicht auch verbessern kann und darum, welche finanziellen Leistungen mir zustehen, bis ich wieder ein eigenes Einkommen habe. Denn auf meine Frage, warum sie mir eine Reha empfehlen würde, antwortete mir die Sozialpädagogin in Heidelberg neulich unter anderem mit dem Hinweis, man könne in Konstanz meine Arbeitsfähigkeit ärztlich begutachten und anhand des Ergebnisses meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt einschätzen und mir mögliche Tätigkeitsgebiete vorschlagen. Ob diese ärztliche Beurteilung mit meiner eigenen Einschätzung übereinstimmt, wird sich dann zeigen. Zurzeit merke ich, dass sich meine körperlichen Beschwerden durch das Pramipexol durchaus ein wenig gebessert haben. So kann ich z.B. den rechten Arm ein wenig freier bewegen und auch das Schreiben fällt mir etwas leichter. Dass sich mein Schriftbild verbessert hat, ist mir am Samstag zum ersten Mal aufgefallen. Ich habe einen Fragebogen der Klinik ausgefüllt und mich gefreut, dass es mir so gut von der Hand gegangen ist und dass man meine Eintragungen einwandfrei lesen konnte. Aber trotz dieser kleinen Erfolge ist mir natürlich klar, dass ich chronisch krank bin und in Zukunft gut auf meine körperliche Leistungsfähigkeit achten muss. Die Einschätzung der Sozialpädagogin bei unserem Gespräch vor meiner Entlassung aus der Klinik in Heidelberg fand ich trotzdem etwas übertrieben. Sie war der Meinung, ich hätte auf dem Arbeitsmarkt keine Chance. Das sehe ich etwas anders. Ich denke, dass ich durchaus eine gewisse Anzahl an Wochenstunden absolvieren könnte. Auch mit Handicap. Denn es mag zwar sein, dass mich meine Erkrankung in einigen Dingen einschränkt und behindert. Aber deshalb bin ich noch lange nicht unfähig oder chancenlos und zu überhaupt nichts zu gebrauchen. Wenn es nach mir ginge, säße ich seit Wochen am Computer und würde Bewerbungen schreiben. Nebenher würde ich mich zweimal die Woche in meiner Physiotherapie-Praxis im Nachbarort behandeln lassen und mir (wie vor einiger Zeit mit ihm besprochen) von meinem Schmerztherapeuten probeweise KG nach Bobath bzw. manuelle Therapie verordnen lassen. Nunja. Es hat sich jetzt eben anders ergeben. Ich hoffe wirklich, dass der Rat aus Heidelberg der richtige war und es eine sinnvolle Entscheidung gewesen ist, vor dem Wiedereinstieg in den Beruf zur Reha zu fahren.

Was die Auswahl eines geeigneten Aktivrollis für mich betrifft gibt es nicht wirklich etwas Neues. Am Freitag habe ich mich noch einmal mit Thomas getroffen und mit ihm ein paar Dinge besprochen. Und weil ich weiß, dass es wichtig ist, einen Rollstuhl ausreichend zu testen, bevor man sich für ihn entscheidet, habe ich im Avantgarde von Otto Bock Platz genommen und bin ein Stück mit dem Stuhl gefahren. Zuerst ein paar Minuten draußen auf dem Bürgersteig, dann drinnen im Geschäft. Im Prinzip würde der Avantgarde für meine Bedürfnisse ausreichen. Denn der Rolli soll als Notlösung nur dazu da sein, dass ich Platz nehmen kann, wenn ich größere Strecken zu Fuß zurücklege und meine Beine mich dabei irgendwann im Stich lassen. Dafür taugt der Stuhl auf jeden Fall. Und da ich für dieses Modell wahrscheinlich keine wirtschaftliche Aufzahlung zu leisten hätte, würde er sich eigentlich anbieten. Aber irgendwie kann ich mich einfach nicht entscheiden, ob ich nicht doch besser den Sopur Helium nehmen soll. Im Gegensatz zum Avantgarde handelt es sich beim Helium um einen Starrahmen-Rollstuhl, der sich nicht zusammenfalten lässt. Ich habe gestern mit Thomas telefoniert und wir sind so verblieben, dass ich in Konstanz noch ein paar Meinungen zu dem Thema einholen werde und mich erst dann endgültig für einen der beiden Stühle entscheide. Denn am Telefon hat man mir geraten, dass ich die Physiotherapeuten der Klinik auf dieses Thema ansprechen soll. Außerdem bietet die Klinik wohl auch ein Mobilitätstraining für Rollstuhlfahrer an, bei dem ich teilnehmen soll. Schau´n mer mal!

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