Inzwischen habe ich noch nicht ganz die ersten zwei Wochen meiner Reha hinter mich gebracht und muss sagen, dass
ich mich gut eingelebt und bereits einige Mitarbeiter und
Mitpatienten kennengelernt habe. Generell herrscht hier im Haus eine
sehr entspannte und angenehme Atmosphäre und man kommt schnell mit
anderen Patienten ins Gespräch. Krankheit verbindet eben. Dass alle
aus ein und dem selben Grund hier zu Gast sind, erleichtert die
Kontaktaufnahme sehr. Beim gemeinsamen Essen im Speisesaal sitzt man
öfter mal mit anderen Patienten an einem Tisch, die man bisher noch
nicht näher kennengelernt hat. Meist dauert es nicht lange, bis ein
Gespräch zustande kommt, und gelegentlich sieht man sich bei
Gruppenanwendungen wieder oder trifft sich zu gemeinsamen
Freizeitaktivitäten.
Auch über die Qualifikation der
Angestellten und deren Ansprechbarkeit kann ich mich absolut nicht
beklagen. Fragen werden freundlich und ausführlich beantwortet
und auch die Wünsche und Bitten, die ich bisher vorgetragen habe,
wurden entgegengenommen und innerhalb kurzer Zeit realisiert. So hatte ich
z.B. vor einigen Tagen darum gebeten, am Nordic Walking und an der
Tischtennis-Gruppe teilnehmen zu können. Denn zum einen spiele ich
sehr gerne mit dem federleichten Tischtennisball und zum andern ist es für mich
wichtig, große und weite Bewegungen zu machen, was ich in beiden
Gruppen sehr gut trainieren kann. Dazu kommen an der Platte plötzliche und schnelle Richtungswechsel, was der Koordination der Beine und der geistigen Fitness zugute kommt. Eigentlich müsste mein
Therapieplan täglich prall gefüllt mit sportlichen Aktivitäten
sein. Da er das nicht in dem Umfang ist, in dem ich es mir körperlich
zutraute, kümmere ich mich darum, das ein wenig zu ändern.
Möglichkeiten, Sport zu treiben gibt es genug: Nordic Walking, die
Dehngruppe, Physiotherapie, Tischtennis, Wassergymnastik, die
Gleichgewichtsgruppe, das Rückentraining, freiwilliges Schwimmen
etc. Einige dieser Anwendungen habe ich sowieso im Therapieplan
stehen, an anderen kann ich auf Wunsch zusätzlich teilnehmen.
Die halbe Stunde Tischtennis, die ich am Mittwoch zum ersten Mal
gespielt habe, war die erste Einheit, die mich körperlich wirklich
gefordert und mir richtig gut getan hat. Und am Donnerstagabend haben
ein Mitpatient und ich spontan beschlossen, uns vor dem Abendessen in
der Sporthalle noch ein paar Bälle um die Ohren zu hauen. Zu
bestimmten Zeiten ist die Halle frei zugänglich und darf genutzt
werden. Gleiches gilt für das kleine Schwimmbecken nebenan.
Ein Gerät scheint jedoch nichts für
mich zu sein: das Laufband. Als ich gestern meine Physiotherapeutin
getroffen habe, die mich hier betreut, beorderte sie mich ins
Untergeschoss. Dort steht ein Laufband zwischen dem Schwimmbecken und
der Sporthalle, auf dem ich eine Einheit absolvieren sollte.
Bevor es losging dachte ich mir noch, das sei sicherlich eine gute
Möglichkeit, um die Waden- und Oberschenkelmuskulatur sowie
die Hand-Fuß-Koordination zu trainieren. Mag auch sein, dass dem so ist, nur habe ich
später die Erfahrung gemacht, dass ich mich so schnell nicht wieder
auf solch ein Teil stellen werde.
Die Einheit an sich war gar nicht
mal das Problem. Das einzig Unvorteilhafte war, dass sich die beiden
Haltestangen links und rechts ziemlich tief am Gerät befinden. Das
Laufen auf dem Band war okay. Meine Therapeutin startete das Gerät und
von Zeit zu Zeit erhöhte sie die Geschwindigkeit, mit der das Band
lief. Nach 1000 von mir gelaufenen Metern reduzierte sie das
Tempo allmählich wieder und das Band kam zum Stillstand. Die Einheit war beendet
und ich stieg vom Gerät herunter. Kaum hatte ich wieder Teppichboden unter den Füßen wurde mir schwindlig. Es kam mir so vor, als
ob sich der Boden in dem Tempo bewegen würde, mit dem sich das
Band bewegt hatte. Ich torkelte zwei, drei Schritte nach rechts und
dann nach links und sofort kamen die Erinnerungen an den L-Dopa-Test
in Heidelberg wieder hoch. Im Anschluss an den Test war ich
anderthalb Tage im Bett gelegen und plagte mich mit quälendem
Schwindel und starker Übelkeit herum. Hoffentlich ging das jetzt
nicht wieder los! Ich nahm meinen abgezeichneten Therapieplan und
meine Wasserflasche und fuhr mit dem Aufzug auf meine Etage. Dort
kontrollierte ich vor dem Schwesternzimmer meinen Blutdruck und nahm mir vor, den Rest des Tages
gemächlich anzugehen und zu warten, bis sich der Schwindel etwas legt
oder vielleicht auch ganz verschwindet.
Nach meiner letzten Anwendung habe ich
gestern Nachmittag dann doch noch etwas unternommen. Ich bin mit dem
Bus in die Stadt gefahren und habe ein, zwei Besorgungen gemacht.
Aber obwohl sich der Schwindel weitestgehend gelegt hatte und Konstanz durchaus seine Reize hat, habe ich
mich dort nicht sehr lange aufgehalten. Was nicht an der Stadt an
sich, sondern viel mehr am dort häufig anzutreffenden Typ Mensch lag.
Natürlich kann man nicht alle und jeden in eine Schublade packen.
Aber mir gefällt dieser Schickimicki-Stil einfach nicht, der
scheinbar überall dort zur Schau getragen wird, wo man von vielen
anderen gesehen wird und sich entsprechend zeigen kann. Für meinen
Geschmack ist die Innenstadt zu gut besucht von leicht
bekleideten Menschen, die aufreizend légère durch
die Gassen flanieren und den Eindruck vermitteln, als wüssten sie
auch heute wieder nicht, für was sie ihr Geld eigentlich ausgeben
sollen. Die Touristen wie auch die Schweizer Nachbarn, die bei gutem
Wetter mal mehr, mal weniger zahlreich anzutreffen sind, stören mich
dabei kaum.
Ich habe übrigens relativ lange
überlegt, ob ich mit dem Rolli in die Stadt fahren soll. Nach den
unguten Erfahrungen mit dem Laufband war ich doch etwas unrund auf
meinen zwei Beinen unterwegs. Letzten Endes habe ich mich aber gegen
den Rolli entschieden. Einerseits hatte sich der Schwindel
größtenteils gelegt und andererseits habe ich mich nicht so
recht getraut, alleine und ohne Übung im Rolli durch die Stadt zu
fahren. Vielleicht war es die bessere Entscheidung, zuerst das Training in der
Rolli-Übungsgruppe am kommenden Dienstag zu absolvieren und sich
dann mehr vorzunehmen. Ich bin schon gespannt, was alles auf dem Programm steht und wie es sich anfühlen wird, wenn ich irgendwann zum
ersten Mal alleine mit dem Rolli unterwegs bin.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen