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Samstag, 14. Juni 2014

Federleicht und viel zu schnell

Inzwischen habe ich noch nicht ganz die ersten zwei Wochen meiner Reha hinter mich gebracht und muss sagen, dass ich mich gut eingelebt und bereits einige Mitarbeiter und Mitpatienten kennengelernt habe. Generell herrscht hier im Haus eine sehr entspannte und angenehme Atmosphäre und man kommt schnell mit anderen Patienten ins Gespräch. Krankheit verbindet eben. Dass alle aus ein und dem selben Grund hier zu Gast sind, erleichtert die Kontaktaufnahme sehr. Beim gemeinsamen Essen im Speisesaal sitzt man öfter mal mit anderen Patienten an einem Tisch, die man bisher noch nicht näher kennengelernt hat. Meist dauert es nicht lange, bis ein Gespräch zustande kommt, und gelegentlich sieht man sich bei Gruppenanwendungen wieder oder trifft sich zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten.

Auch über die Qualifikation der Angestellten und deren Ansprechbarkeit kann ich mich absolut nicht beklagen. Fragen werden freundlich und ausführlich beantwortet und auch die Wünsche und Bitten, die ich bisher vorgetragen habe, wurden entgegengenommen und innerhalb kurzer Zeit realisiert. So hatte ich z.B. vor einigen Tagen darum gebeten, am Nordic Walking und an der Tischtennis-Gruppe teilnehmen zu können. Denn zum einen spiele ich sehr gerne mit dem federleichten Tischtennisball und zum andern ist es für mich wichtig, große und weite Bewegungen zu machen, was ich in beiden Gruppen sehr gut trainieren kann. Dazu kommen an der Platte plötzliche und schnelle Richtungswechsel, was der Koordination der Beine und der geistigen Fitness zugute kommt. Eigentlich müsste mein Therapieplan täglich prall gefüllt mit sportlichen Aktivitäten sein. Da er das nicht in dem Umfang ist, in dem ich es mir körperlich zutraute, kümmere ich mich darum, das ein wenig zu ändern. Möglichkeiten, Sport zu treiben gibt es genug: Nordic Walking, die Dehngruppe, Physiotherapie, Tischtennis, Wassergymnastik, die Gleichgewichtsgruppe, das Rückentraining, freiwilliges Schwimmen etc. Einige dieser Anwendungen habe ich sowieso im Therapieplan stehen, an anderen kann ich auf Wunsch zusätzlich teilnehmen. Die halbe Stunde Tischtennis, die ich am Mittwoch zum ersten Mal gespielt habe, war die erste Einheit, die mich körperlich wirklich gefordert und mir richtig gut getan hat. Und am Donnerstagabend haben ein Mitpatient und ich spontan beschlossen, uns vor dem Abendessen in der Sporthalle noch ein paar Bälle um die Ohren zu hauen. Zu bestimmten Zeiten ist die Halle frei zugänglich und darf genutzt werden. Gleiches gilt für das kleine Schwimmbecken nebenan.

Ein Gerät scheint jedoch nichts für mich zu sein: das Laufband. Als ich gestern meine Physiotherapeutin getroffen habe, die mich hier betreut, beorderte sie mich ins Untergeschoss. Dort steht ein Laufband zwischen dem Schwimmbecken und der Sporthalle, auf dem ich eine Einheit absolvieren sollte. Bevor es losging dachte ich mir noch, das sei sicherlich eine gute Möglichkeit, um die Waden- und Oberschenkelmuskulatur sowie die Hand-Fuß-Koordination zu trainieren. Mag auch sein, dass dem so ist, nur habe ich später die Erfahrung gemacht, dass ich mich so schnell nicht wieder auf solch ein Teil stellen werde.

Die Einheit an sich war gar nicht mal das Problem. Das einzig Unvorteilhafte war, dass sich die beiden Haltestangen links und rechts ziemlich tief am Gerät befinden. Das Laufen auf dem Band war okay. Meine Therapeutin startete das Gerät und von Zeit zu Zeit erhöhte sie die Geschwindigkeit, mit der das Band lief. Nach 1000 von mir gelaufenen Metern reduzierte sie das Tempo allmählich wieder und das Band kam zum Stillstand. Die Einheit war beendet und ich stieg vom Gerät herunter. Kaum hatte ich wieder Teppichboden unter den Füßen wurde mir schwindlig. Es kam mir so vor, als ob sich der Boden in dem Tempo bewegen würde, mit dem sich das Band bewegt hatte. Ich torkelte zwei, drei Schritte nach rechts und dann nach links und sofort kamen die Erinnerungen an den L-Dopa-Test in Heidelberg wieder hoch. Im Anschluss an den Test war ich anderthalb Tage im Bett gelegen und plagte mich mit quälendem Schwindel und starker Übelkeit herum. Hoffentlich ging das jetzt nicht wieder los! Ich nahm meinen abgezeichneten Therapieplan und meine Wasserflasche und fuhr mit dem Aufzug auf meine Etage. Dort kontrollierte ich vor dem Schwesternzimmer meinen Blutdruck und nahm mir vor, den Rest des Tages gemächlich anzugehen und zu warten, bis sich der Schwindel etwas legt oder vielleicht auch ganz verschwindet.

Nach meiner letzten Anwendung habe ich gestern Nachmittag dann doch noch etwas unternommen. Ich bin mit dem Bus in die Stadt gefahren und habe ein, zwei Besorgungen gemacht. Aber obwohl sich der Schwindel weitestgehend gelegt hatte und Konstanz durchaus seine Reize hat, habe ich mich dort nicht sehr lange aufgehalten. Was nicht an der Stadt an sich, sondern viel mehr am dort häufig anzutreffenden Typ Mensch lag. Natürlich kann man nicht alle und jeden in eine Schublade packen. Aber mir gefällt dieser Schickimicki-Stil einfach nicht, der scheinbar überall dort zur Schau getragen wird, wo man von vielen anderen gesehen wird und sich entsprechend zeigen kann. Für meinen Geschmack ist die Innenstadt zu gut besucht von leicht bekleideten Menschen, die aufreizend légère durch die Gassen flanieren und den Eindruck vermitteln, als wüssten sie auch heute wieder nicht, für was sie ihr Geld eigentlich ausgeben sollen. Die Touristen wie auch die Schweizer Nachbarn, die bei gutem Wetter mal mehr, mal weniger zahlreich anzutreffen sind, stören mich dabei kaum.

Ich habe übrigens relativ lange überlegt, ob ich mit dem Rolli in die Stadt fahren soll. Nach den unguten Erfahrungen mit dem Laufband war ich doch etwas unrund auf meinen zwei Beinen unterwegs. Letzten Endes habe ich mich aber gegen den Rolli entschieden. Einerseits hatte sich der Schwindel größtenteils gelegt und andererseits habe ich mich nicht so recht getraut, alleine und ohne Übung im Rolli durch die Stadt zu fahren. Vielleicht war es die bessere Entscheidung, zuerst das Training in der Rolli-Übungsgruppe am kommenden Dienstag zu absolvieren und sich dann mehr vorzunehmen. Ich bin schon gespannt, was alles auf dem Programm steht und wie es sich anfühlen wird, wenn ich irgendwann zum ersten Mal alleine mit dem Rolli unterwegs bin.

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