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Sonntag, 17. August 2014

3 Chinesen mit dem Kontrabass

Wie ich vor kurzem bereits erwähnt habe, schaue ich ab und an in der Statistikecke meines Blogs vorbei. Dort kann ich mir z.B. anzeigen lassen, wie viele Besucher jetzt gerade, heute, diese Woche, diesen Monat oder bisher insgesamt meine Seiten aufrufen bzw. aufgerufen haben und aus welchen Ländern meine Gäste so kommen.

Als ich mir neulich die aktuellen Zahlen angesehen habe war ich doch etwas erstaunt. Denn in der Übersicht wurden (und werden auch heute noch) neben den anderen Besucherzahlen 13 Seitenaufrufe aus Lettland und 7 aus der Republik Korea angezeigt. Und im Verlauf der letzten Woche sind unter anderem 13 Aufrufe aus Hongkong hinzu gekommen, aus denen bislang gar 29 geworden sind.

Ich gebe zu, dass mich bezüglich dieser Zahlen ein paar Dinge durchaus interessieren würden. So würde ich gerne wissen, wer in Ländern wie Lettland und Hongkong einen deutschsprachigen Blog (und dabei gerade meinen!) aufruft und wie diese Besucher auf meine Seiten gelangt sind. Sind es Deutsche, die sich gerade dort aufhalten? Oder sind es Besucher, die zumindest des Deutschen mächtig sind und hier mitlesen? Oder handelt es sich vielleicht eher um Gäste, die eigentlich etwas ganz anderes im World Wide Web gesucht haben und dabei rein zufällig bei mir im Wohnzimmer gelandet sind? Fragen, auf die ich wahrscheinlich keine Antworten bekommen werde. Wie auch auf die Frage, ob die 29 Seitenaufrufe aus Hongkong durch ein paar Wenige zustande kamen, die zusammen 29 Mal geklickt haben, oder durch 29 einzelne Aufrufe von Besuchern, die hierher gefunden haben.

Was ich aber definitiv sagen kann ist, dass ich zumindest bei dem bekannten Kinderlied lieber bei den 3 Chinesen mit dem Kontrabass bleibe!

Sonntag, 3. August 2014

Von diesem und jenem

Seit vier Wochen habe ich keinen Eintrag mehr veröffentlicht. Das liegt zum einen daran, dass bislang nicht sonderlich viel passiert ist, was man in einem Blog unbedingt hätte festhalten müssen. Und zum andern hatte ich mich nach der Reha um ein paar Dinge zu kümmern, die mitunter etwas Zeit in Anspruch genommen haben.

So bin ich z.B. zwei Tage nach meiner Rückkehr aus Konstanz zur für mich zuständigen Dienststelle der Agentur für Arbeit gefahren und habe mich dort arbeitslos und arbeitssuchend gemeldet. Diese Meldung war notwendig geworden, weil man mich als "arbeitsfähig" aus der Rehaklinik entlassen hat und ich für die Zeit nach Konstanz keine Stelle in Aussicht hatte. Von der Dame, die mich betreute, habe ich erfahren, dass ich noch einen Restanspruch von 197 Tagen auf das Arbeitslosengeld I habe. Das hatte ich bisher nicht gewusst und war davon ausgegangen, ich müsse unmittelbar nach der Reha Hartz IV beantragen. Dass dem nicht so ist kann mir natürlich nur recht sein. Vor kurzem ist mein Antrag auf ALG 1 in den Briefkasten gewandert und ich gehe davon aus, dass ich innerhalb der nächsten 14 Tage einen positiven Bescheid von der Arbeitsagentur bekommen werde.

Von Dezember 2012 bis zum Ende meiner Reha war ich ohne Unterbrechung arbeitsunfähig krankgeschrieben und habe von meiner Krankenkasse Monat für Monat Krankengeld bezogen. Anfangs war es ganz nett, morgens nicht aufstehen zu müssen und sich den Tag weitestgehend frei einteilen zu können. Aber irgendwann merkt man schon, dass ein geregelter Arbeitsalltag durchaus seine Vorteile hat und man sich mit einem deutlich besseren Gefühl einen Kontoauszug bei der Bank besorgt. Deshalb habe ich nicht viel Zeit verstreichen lassen, als ich wieder zuhause war, und habe voller Tatendrang mein Anschreiben und meinen Lebenslauf auf Vordermann gebracht. Drei oder vier Bewerbungen sind bisher im Briefkasten gelandet und ich bin gespannt, ob sich jemand bei mir meldet. Chancen rechne ich mir schon aus, denn meine Prüfungszeugnisse können sich durchaus sehen lassen!

Beim Pramipexol, das ich seit meiner Entlassung aus der Uniklinik Heidelberg einnehme, bin ich inzwischen bei einer Einzeldosis von 1,05 mg und einer Tagesgesamtdosis von 3,15 mg angelangt. Die Substanz hat meinen Zustand durchaus ein wenig positiv beeinflusst, das ist nicht nur mir aufgefallen. So kann ich z.B. meine rechte Hand und deren Finger beim Ausfüllen von Formularen und beim Schuhebinden etwas besser und gezielter einsetzen, wodurch mir solche Dinge insgesamt leichter fallen. Und auch meine Sprache ist etwas klarer und deutlicher geworden.

Was mich im Moment allerdings ziemlich nervt ist mein Gedärm. Seit einiger Zeit kann ich nicht mehr einfach das essen, worauf ich gerade Lust habe und manches, was ich bisher noch problemlos vertragen habe, macht mir jetzt plötzlich Probleme. Vollmilchschokolade und gut gewürzte Speisen z.B. Was mich wundert, denn bislang hatte ich weder mit dem einen, noch mit dem anderen ungute Erfahrungen gemacht. Neuerdings kann es passieren, dass ich kurze Zeit nach deren Verzehr intensive und unangenehme Magenschmerzen bekomme, die ich so nur von meinem Reizdarm kenne. Ab und an wird das Ganze von Darmwinden begleitet, mit deren Hilfe die NASA vermutlich ein ganzes Space Shuttle ins All schießen könnte. Und zu guter Letzt haben sich auch meine Toilettengewohnheiten verändert.

Es gibt eindeutig Themen, über die ich lieber schreibe als über meine nervigen Verdauungsprobleme. Aber zurzeit gehören eben auch solche Dinge zu mir und meiner Erkrankung dazu und ich möchte mich lieber ehrlich mit ihnen auseinandersetzen, anstatt sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

Also: In der Regel vergeht zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Gang zur Toilette eine gewisse Zeit, während der die einzelnen Nahrungsbestandteile im Körper aufgespalten und verdaut werden. Diese Zeitspanne ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich lang, und längst nicht jeder geht täglich zur Toilette. Seit ich mich daran erinnern kann ist es bei mir so, dass ich meiner Verdauung einmal am Tag nachgebe und dann für den Rest des Tages Ruhe habe. Doch seit einiger Zeit ist es manchal so, dass ich plötzlich das Bedürfnis verspüre, ein zweites Mal die Toilette aufzusuchen, obwohl ich seit dem ersten Ausflug dorthin kaum etwas gegessen habe. Das ist zwar absolut neu für mich, wäre aber kein großes Dilemma, wenn es nur darum ginge, wie ein normaler Mensch zur Toilette zu gehen. Geht es aber nicht.

Beispiel: Einige Tage vor meiner Reha waren wir zu fünft beim Mongolen essen. Ich bin gerne dort, denn das Essen ist wirklich gut und das Personal sehr freundlich und bemüht. Wenn man zum Buffet dort hin geht, kann man sich für einen festen Preis so oft man möchte an den nebeneinander aufgereihten Bottichen bedienen. Egal ob Gemüse, Fisch, Fleisch, Saucen, Desserts und so weiter. Es wird stets für Nachschub gesorgt und wer mag, kann sich auch rohen Fisch auf den Teller legen und ihn vom Koch frisch braten lassen. Für jeden ist also etwas dabei. Auch diesmal waren nach dem Essen alle satt und zufrieden und auch Sam (der Beagle meiner Mutter) hat sich unter dem Tisch ordentlich Leckereien zustecken lassen. Die anschließende Rückfahrt war dann jedoch weniger angenehm. Von einem Moment auf den anderen bekam ich intensive Magenschmerzen. Es fühlte sich an, als würde jemand mit einem heißen, scharfen Messer in meinem Unterbauch herumschneiden und meine Begeisterung wuchs noch weiter an, als kurze Zeit später ein schwer zu unterdrückender Stuhldrang einsetzte. Insgeheim hoffte ich, meine Mutter würde den plötzlich vorhandenen Schalter zur Aktivierung der Lichtgeschwindigkeit betätigen und mich innerhalb der nächsten 60 Sekunden zuhause absetzen. Doch statt dessen zog sich die Fahrt über die Ortschaften und Landstraßen und ich war mir nicht sicher, ob ich die Toilette daheim rechtzeitig erreichen würde.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, ich habe es rechtzeitig geschafft. Gerade so. Ich habe sozusagen eine Punktlandung hingelegt und keine 30 Sekunden gebraucht, um das Auto zu verlassen, die Haustür aufzuschließen, die Treppe hoch zu eilen und die Tür des Badezimmers hinter mir zu schließen.

Seitdem ist mir so etwas noch nicht wieder passiert. Aber nach wie vor ist es oft so, dass ich den Toilettengang nicht lange aufschieben kann, wenn mein Darm Lebenszeichen von sich gibt. Innerhalb weniger Minuten wird der Drang so groß dass ich gezwungen bin, ihm nachzugeben. Sicher wüsste ich gerne, weshalb meine Verdauung in den letzten Monaten so empfindlich geworden ist. Ist es möglicherweise eine Nebenwirkung des Pramipexols? Oder vertrage ich bestimmte Nahrungsmittelbestandteile nicht mehr so gut? Ist der Darm aufgrund meiner Erkrankung anfälliger geworden? Vielleicht spielt mein Reizdarm eine Rolle? Ich weiß es nicht und werde meinen Hausarzt um Rat fragen, wenn ich ihn wieder sehe.

Wie bereits erwähnt schreibe ich am liebsten über angenehme Dinge, über die man sich freuen kann. So ist mir z.B. nicht entgangen, dass der Besucherzähler meiner Seite während meines Reha-Aufenthalts in Konstanz vom drei- in den vierstelligen Bereich umgesprungen ist. Wobei mir die Blog-Statistiken incl. der aktuellen Besucherzahl ehrlich gesagt gar nicht so besonders wichtig sind. Natürlich freue ich mich über jeden Besucher, der auf meinen Seiten zu Gast ist. Und gelegentlich besuche ich auch den Bereich "Statistiken" und sehe mir ein paar Zahlen über meinen Blog an. Aber ich schreibe meine Einträge nicht mit dem Ziel, dass der Zähler irgendwann eine bestimmte Zahl anzeigt. Mir bedeutet es viel mehr, meine Gedanken und Emotionen durch die Schreiberei ein wenig ordnen und auch etwas verarbeiten zu können. Auch wenn mir das kaum bewusst war, als ich Ende März mit dem Bloggen angefangen habe.

Einen kleinen Einblick in die Statistik möchte ich meinen Lesern aber nicht vorenthalten. Die folgende Auflistung gibt die Nationen an,  in denen Internetnutzer meine Seiten bisher aufgerufen haben (in Klammern die Anzahl der Aufrufe, Stand: 03.08.2014, 01:30 Uhr).

- Deutschland (950)
- Vereinigte Staaten (184)
- Ukraine (19)
- Schweiz (16)
- Russische Förderation (15)
- Lettland (13)
- Republik Korea (7)
- Österreich (4)
- Frankreich (3)
- Litauen (3)
- Polen (3)

Sehr gefreut habe ich mich für Mehrad, meinen Bruder im Geiste. Er hat mir vor kurzem erzählt, dass er einen Platz an einer Schauspielschule in einer deutschen Großstadt ergattert und dort mittlerweile auch eine Wohnung gefunden hat. Herzlichen Glückwunsch und Chapeau! Ich kann mir vorstellen, dass der Andrang auf die zu vergebenden Plätze jedesmal ziemlich groß ist und dass nur die wenigsten Bewerber später auch genommen werden. Umso mehr Respekt für diesen Erfolg!

Ebenso freue ich mich, dass ich weiterhin Kontakt mit einigen lieben Leuten habe, die ich während der Reha kennengelernt habe. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass der Kontakt irgendwann im Sande verläuft, doch Gott sei Dank ist dem bisher nicht so. Im Gegenteil. Mit Andrea und Melanie tausche ich z.B. regelmäßig Nachrichten aus und Uli hat mir neulich eine ganz liebe Mail geschrieben. Vielen Dank euch allen! Ich vermisse euch!

Ich weiß zwar nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin. Aber da ich ja nun mal Pfälzer bin (und somit das höchste, was ein Mensch werden kann!) kam mir die Idee in den Sinn, einen Blog-Eintrag komplett auf Pfälzisch zu veröffentlichen. Ich stelle mir das durchaus spaßig vor. Klar, natürlich würde ich auch eine hochdeutsche Version für Nicht-Eingeborene einstellen. Aber beim Pfälzischen handelt es sich um einen Dialekt, der gar nicht mal so schwer verständlich bzw. nachzusprechen ist. Die richtige Aussprache und ein gewisser Grundwortschatz prägen sich (vor allem im leicht angeheiterten Weinfest-Zustand!) relativ rasch im Gedächtnis ein. Wie sagt der Pfälzer? Gugge mer mol!

Samstag, 5. Juli 2014

99 Rampen und ein Gentleman

Am letzten Freitag habe ich mit den Damen, mit denen ich regelmäßig Rummikub gespielt habe, einen tollen Nachmittag in Konstanz verlebt, an dessen Ende wir die Bekanntschaft eines wahren Gentlemans gemacht haben. Aber der Reihe nach.

Nach der Wassergymnastik habe ich Andrea auf dem Flur unserer Etage getroffen. Sie erzählte mir, dass sie später mit Ruth und Melanie in die Stadt fahren würde und fragte mich spontan, ob ich nicht Lust hätte, die Damen zu begleiten. Da für den Rest des Tages keine Anwendungen mehr bei mir anstanden und ich mir noch nichts vorgenommen hatte, habe ich mich gerne angeschlossen.

Gegen halb Vier nahmen wir den Bus, der direkt vor der Klinik verkehrt, und waren innerhalb weniger Minuten am Bahnhof im Stadtzentrum, von wo aus wir gemütlich in die Fußgängerzone schlenderten. Nachdem es uns in einen Laden für Seifen und Parfums, einen Drogeriemarkt und ein, zwei weitere Geschäfte gezogen hatte teilten wir uns vor einem größeren Kaufhaus auf. Meine Begleiterinnen zog es in die Sportabteilung des Kaufhauses, während ich eine kleine, aber feine Weinhandlung direkt gegenüber besuchte. Da dort neben diversen Weinen und Schaumweinen auch Essig, Öle, Gewürze, Senf und andere Leckereien angeboten wurden ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen und erstand einige Geburtstagspräsente und Mitbringsel für meine Lieben daheim.

Nach meinem Einkauf traf ich den Rest der Gruppe wieder. Wir hatten geplant, uns vor der Rückfahrt in die Klinik noch ein nettes Café zu suchen und uns dort einen Cappuccino und ein Stück Kuchen zu gönnen. Das erste Café, bei dem wir einen freien Tisch entdeckten, lag in unmittelbarer Nähe der Weinhandlung. Allerdings hätten wir uns an anderen Tischen und Stühlen vorbeischlängeln müssen, um zu dem Tisch zu gelangen, was mit Andreas Rolli nicht machbar gewesen wäre. Das zweite Café lag recht idyllisch in einem kleinen Hof. Doch obwohl der Rolli knapp durch eine vorhandene Tür passte und Andrea eine Schwelle gekonnt zu Fuß bewältigte scheiterte es letzten Endes daran, dass es keinen Kuchen mehr gab. Beim dritten Café hatten wir schließlich Erfolg. Zwei freundliche Herren waren so nett, uns einen großen Teil ihres Tisches zur Verfügung zu stellen. Als sich einer der beiden wenig später verabschiedete dauerte es nicht lange, bis wir mit dem verbliebenen Herrn ins Gespräch kamen. Weil wir uns über unsere Klinik unterhalten hatten war ihm schnell klar, dass wir alle zur Reha in Konstanz sind. Er erzählte uns, dass er selbst auch an MS erkrankt sei und zwei- bis dreimal die Woche zur ambulanten Behandlung in die Klinik käme. In der Folge entstand eine sehr nette und angeregte Unterhaltung, während der sich unsere Tassen schlückchenweise leerten. Doch da wir uns vorgenommen hatten, rechtzeitig zum Abendessen wieder in der Klinik zu sein, vereinbarten wir, demnächst zu zahlen und allmählich aufzubrechen. Ein paar Augenblicke später hatten sich diese beiden Vorhaben jedoch wieder erledigt. Zu zahlen gab es nichts mehr. Denn unser Gesprächspartner verkündete plötzlich, wir seien eingeladen und unsere Cappuccino gingen auf ihn. Er winkte eine der Bedienungen heran und erklärte ihr auf italienisch, dass er die Getränke an diesem Tisch zahlen würde. Ich wusste nicht, wie es meinen Begleiterinnen gerade erging. Ich für meinen Teil war zunächst etwas perplex ob der überaus netten Geste dieses Gentlemans und habe mich dann artig bedankt. Auch die anvisierte Rückfahrt in die Klinik mit dem nächsten Bus hatte sich erübrigt, da unsere Linie 5 ein paar Meter weiter gerade an uns vorbei fuhr und definitiv nicht mehr zu erreichen war.

In 20 Minuten bot sich die nächste Gelegenheit, pünktlich an der Bushaltestelle zu sein. Bis dahin lehnten wir uns wieder in unsere Stühle zurück und nahmen das Gespräch mit dem netten Herrn wieder auf. Wir erzählten ihm von unseren ersten beiden erfolglosen Versuchen, uns ein Café zu suchen, worauf unser Gegenüber mit der nächsten Überraschung aufwartete. Denn wir hatten es mit dem offiziellen Behindertenbeauftragten der Stadt Konstanz zu tun der uns anbot, das `Sie´ gegen das ´Du´ und ´Stephan´ einzutauschen. Na das passte ja! Drei Damen und der Kümmelspalter berichteten von ihren Erlebnissen in der Konstanzer Innenstadt und bekamen aktuelle Infos aus erster Hand, was der Herr in Amt und Würden für Menschen mit Behinderungen in Konstanz bereits erreicht hat und wo seiner Meinung nach noch Verbesserungspotential vorhanden ist.

Darüber hinaus ist Stephan Initiator des Projekts "99 Rampen". Im Flyer zu diesem Projekt, der auch im Eingangsbereich unserer Klinik ausliegt, heißt es unter anderem:

"Es soll für die Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Behinderungen jeglicher Art, welche sich im öffentlichen Raum bewegen, sensibilisieren. Etawige Missstände sollen erkannt und mit einfachen Mitteln verbessert werden.

Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig und wird mit einem Gütesiegel versehen."

Und weiter:

"Informations- und Leitsystem

Die Stadtverwaltung Konstanz entwickelt in Kooperation mit vielen Beteiligten ein umfassendes Informations- und Leitsystem für Menschen mit Behinderungen jeglicher Art. Es entstehen ein Internet-Portal, eine gedruckte Broschüre und ein physisches Leitsystem.

Das neue Konstanzer Gütesiegel wird Teil des Leitsystems sein und auf Hilfestellungen für Menschen mit Behinderungen jeglicher Art hinweisen."

Mehr Infos zum Projekt gibt es unter

https://www.facebook.com/99rampen
http://www.konstanz.de/soziales/00630/00703/index.html
http://www.konstanz.de/soziales/00630/00703/05959/index.html

Wir haben uns noch ein wenig unterhalten und sind dann mit dem Bus zur Klinik zurückgefahren, wo wir noch rechtzeitig genug ankamen, um uns im Speisesaal ein schnelles Abendessen zu genehmigen. Ich muss zugeben, dass mich Stephan mit seinem Projekt ziemlich beeindruckt hat. Seine Idee gefällt mir sehr und ich finde es absolut vorbildlich und lobenswert, sich mit so viel Überzeugung und Tatendrang für andere einzusetzen!

Dienstag, 24. Juni 2014

Sag zum Abschied leise Servus

Leider sind in den letzten Tagen einige Mitpatienten abgereist, mit denen ich mich ziemlich gut verstanden habe. Einer von ihnen war Uli, der nach einem Schlaganfall zur Reha hier gewesen ist und jetzt mit seiner Frau noch ein paar Tage an der Nordsee verbringt.

Uli muss man einfach mögen. Ein total unkomplizierter, kumpelhafter Typ, mit dem man über Gott und die Welt philosophieren kann. Während unserer gemeinsamen Zeit hier haben wir uns nicht nur die Tischtennisbälle, sondern auch einige mehr oder weniger anständige Witze um die Ohren gehauen. Als krönenden Abschluss hat er kurz vor seiner Abreise sogar noch dafür gesorgt, dass ich keinen Hunger leiden muss, indem er mich in der Stadt zu einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen eingeladen hat. Für sich selbst beließ er es bei einem Kaffee. Was zeigt, dass er während seines Aufenthalts gelernt hat, verantwortungsvoller mit sich und seinem Körper umzugehen. Er stuft den Schlaganfall als ernstes Warnsignal ein und möchte in Zukunft mehr Sport treiben, sich bewusster ernähren, überschüssige Pfunde abbauen und Stress so gut es geht vermeiden. Dafür zolle ich ihm Respekt und wünsche gutes Gelingen!

Seit Uli nicht mehr da ist muss ich mir fürs Tischtennis neue Mitspieler suchen. Bisher habe ich ab und an mit Birgit die Schläger geschwungen und war froh, eine sehr gute Spielerin gefunden zu haben und mich abends noch etwas bewegen zu können. Leider ist Birgit zurzeit nicht einsatzfähig, da sie sich mit Rückenbeschwerden herumplagt. Umso besser traf es sich, dass ich mich neulich vier, fünf sehr netten Damen habe anschließen dürfen, die sich gelegentlich treffen und gemeinsam Rummikub spielen. Bei schönem Wetter sitzen wir auf der Terrasse des klinikeigenen Cafés und genießen den Blick auf den Bodensee, dessen Ufer keine 100 Meter entfernt ist.

Am letzten Dienstag habe ich zum ersten Mal am Rollitraining in der Sporthalle teilgenommen. Für heute, 13 Uhr, stand nun die nächste Übungseinheit in meinem Therapieplan. Letzte Woche hatten zwei Physiotherapie-Schülerinnen einen Parcours aus verschiedenen Aufgaben aufgebaut, der zu absolvieren war. So musste man z.B. mit dem Rolli eine gerade Linie entlang fahren, einen Ball aus einer gewissen Entfernung in einen kleinen Rollkorb werfen oder mit dem Stuhl über eine kleine Kante auf ein Hindernis hinauf fahren. Und auch heute wurden wieder einige Alltagssituationen nachgestellt und zum Üben angeboten, die Rollstuhlfahrer tagtäglich zu bewältigen haben. Dabei wurden die beiden jungen Damen von einer ausgelernten Physiotherapeutin tatkräftig unterstützt und angeleitet. Aber obwohl ich mit meinem Übungsrolli recht gut zurechtgekommen bin und die beiden Einheiten durchaus Spaß gemacht haben werde ich nicht vergessen, dass ich zuhause so lange wie möglich ohne Rolli mobil sein möchte. Den Stuhl, den ich bekommen werde, sollte und werde ich nur dann nutzen, wenn ich mit meinem rechten Bein wirklich nicht mehr vorwärts komme.

Seit heute Vormittag ist geklärt, dass ich am kommenden Dienstag nach Hause fahren werde. Genau vier Wochen werden es dann gewesen sein, die ich hier verbracht habe. Dass ich keine Verlängerung um ein oder gar zwei Wochen beantragen möchte, habe ich schon vor einigen Tagen entschieden. Ich werde zwar ein wenig traurig sein, wenn ich den vielen netten Leuten ´Lebewohl´ sagen muss, die ich hier bislang kennenlernen durfte. Aber ansonsten werde ich ehrlich gesagt nicht allzu viel vermissen. Dazu kommt, dass ich mich daheim für eine Stelle bewerben will. Ich möchte endlich mal wieder ein paar Stunden arbeiten gehen, mein eigenes Geld verdienen und irgendwo auch wieder einen geregelten Tagesablauf haben. Außerdem ist mein Krankengeld Anfang Juni ausgelaufen und ich habe keine Lust, länger als unbedingt nötig von Hartz IV zu leben.

Ich glaube, ich werde einmal tief durchatmen und drei Kreuze an die Wand malen, wenn ich am Dienstag im Zug sitze.

Dienstag, 17. Juni 2014

Anspruch und Wirklichkeit

Mit meinen Therapeuten und deren Anwendungen bin ich soweit eigentlich recht zufrieden. Allerdings gibt es auch Einheiten, deren Anforderunsgrad gerne noch ein wenig höher sein dürfte. Dazu zählt unter anderem eine Therapie, von der ich mir am meisten versprochen hatte: die Physiotherapie.

Wenn ich an meinen Krankenhausaufenthalt in Heidelberg zurückdenke, gerate ich noch immer ins Schwärmen von der großartigen Physiotherapie, die ich dort erhalten habe. Mein dortiger Therapeut hat wirklich einen super Job gemacht und ich habe sehr von seiner Erfahrung und seinem Wissen profitiert. Die Einheiten, die ich bei ihm absolviert habe, haben mir jedesmal gezeigt, was für junge Parkinson-Patienten wie mich wichtig ist. Das sind erstens große, weite Bewegungen mit den Armen und dem Oberkörper sowie eine aufrechte Körperhaltung. Zweitens kommen geeignete Übungen für die Motorik und die Koordination der Beine hinzu und drittens sollten ein paar kräftigende und dehnende Elemente nicht fehlen. Zu seinem sehr guten Programm kam hinzu, dass er fast täglich bei mir im Zimmer stand und gefragt hat, ob ich Zeit und Lust habe, er hätte gerade Zeit für mich. Und wenn ich später zurück auf mein Zimmer gelaufen bin konnte ich deutlich nachspüren, dass der gute Mann mich ordentlich aus meinen Fischgräten gestoßen hat.

Hier in Konstanz ist mein Programm bisher deutlich weniger anstrengend. Bei meiner Physiotherapeutin absolviere ich Übungen, die mich körperlich nicht wirklich besonders beanspruchen. Das setze ich für eine gute Physiotherapieeinheit zwar nicht unbedingt voraus. Aber ein wenig intensiver und fordernder dürften die Einheiten gerne sein. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Meine Therapeutin ist der Meinung, ich müsse mir ein intensives Sport-Programm in meiner Freizeit selbst organisieren. Ich hingegen denke, dass man mit einer guten Therapie schon einiges abdecken könnte. Gott sei Dank habe ich zwei Mitstreiter gefunden, mit denen ich abends ab und an noch ein wenig um die Tischtennisplatte in der Sporthalle herumspringen kann.

Was mir auch nicht ganz gefallen hat ist die Tatsache, dass ich darum bitten musste, am Nordic Walking und an der Tischtennis-Gruppe teilnehmen zu können. Diese beiden Angebote hätten für jemanden wie mich, der in seiner Bewegung verlangsamt und verarmt, aber durchaus körperlich belastbar ist, vom ersten Tag an eingeplant werden können.

Auch an zwei Dingen, die hier im Haus Standard zu sein scheinen, störe ich mich ein wenig. Das eine ist, dass ich meine Stationsärztin recht selten zu Gesicht bekomme. Am Tag meiner Anreise war ich zu einer ersten ärztlichen Untersuchung bei ihr und habe sie anschließend noch einmal bei der Visite gesehen, die einmal in der Woche stattfindet. Für mich ist das deshalb nicht ganz unwichtig, weil ich laut des ärztlichen Abschlussberichts der Uniklinik Heidelberg die Dosis meiner Tabletten eigentlich regelmäßig steigern soll. Das habe ich auch dem ärztlichen Leiter der Neurorehabilitation mitgeteilt, der mich am dritten Tag meines Aufenthaltes zum Eingangsgespräch gebeten hatte. Für morgen ist in meinem Plan die nächste Visite eingetragen.

Das andere ist etwas, das ich zwar für mich behalten werde, was mir bei meiner Anreise aber trotzdem negativ aufgefallen ist. In meinem Bad lagen nämlich ausreichend Handtücher bereit, ein Stück Seife habe ich aber vergeblich gesucht. Ein Flüssigseifen-Spender war somit das erste, was ich bei meinem ersten Einkauf in der Stadt besorgt habe.

Am Sonntagnachmittag habe ich meine Stationsärztin auf dem Gang getroffen und mich kurz mit ihr unterhalten. Ich habe ihr gesagt, dass nach meinem jetzigen Eindruck mein Aufenthalt hier im Haus nach der vierten Woche zu Ende sein wird und ich auf eine mögliche Verlängerung verzichte. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass ich gerne noch einmal über diese Entscheidung nachdenke, wenn man eine fünfte Woche für mich einplant, die mich vom Programm her überzeugt. Immerhin hat sie mir versichert, sie würde schauen, was sie für mich tun kann. Man darf gespannt sein!

Samstag, 14. Juni 2014

Federleicht und viel zu schnell

Inzwischen habe ich noch nicht ganz die ersten zwei Wochen meiner Reha hinter mich gebracht und muss sagen, dass ich mich gut eingelebt und bereits einige Mitarbeiter und Mitpatienten kennengelernt habe. Generell herrscht hier im Haus eine sehr entspannte und angenehme Atmosphäre und man kommt schnell mit anderen Patienten ins Gespräch. Krankheit verbindet eben. Dass alle aus ein und dem selben Grund hier zu Gast sind, erleichtert die Kontaktaufnahme sehr. Beim gemeinsamen Essen im Speisesaal sitzt man öfter mal mit anderen Patienten an einem Tisch, die man bisher noch nicht näher kennengelernt hat. Meist dauert es nicht lange, bis ein Gespräch zustande kommt, und gelegentlich sieht man sich bei Gruppenanwendungen wieder oder trifft sich zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten.

Auch über die Qualifikation der Angestellten und deren Ansprechbarkeit kann ich mich absolut nicht beklagen. Fragen werden freundlich und ausführlich beantwortet und auch die Wünsche und Bitten, die ich bisher vorgetragen habe, wurden entgegengenommen und innerhalb kurzer Zeit realisiert. So hatte ich z.B. vor einigen Tagen darum gebeten, am Nordic Walking und an der Tischtennis-Gruppe teilnehmen zu können. Denn zum einen spiele ich sehr gerne mit dem federleichten Tischtennisball und zum andern ist es für mich wichtig, große und weite Bewegungen zu machen, was ich in beiden Gruppen sehr gut trainieren kann. Dazu kommen an der Platte plötzliche und schnelle Richtungswechsel, was der Koordination der Beine und der geistigen Fitness zugute kommt. Eigentlich müsste mein Therapieplan täglich prall gefüllt mit sportlichen Aktivitäten sein. Da er das nicht in dem Umfang ist, in dem ich es mir körperlich zutraute, kümmere ich mich darum, das ein wenig zu ändern. Möglichkeiten, Sport zu treiben gibt es genug: Nordic Walking, die Dehngruppe, Physiotherapie, Tischtennis, Wassergymnastik, die Gleichgewichtsgruppe, das Rückentraining, freiwilliges Schwimmen etc. Einige dieser Anwendungen habe ich sowieso im Therapieplan stehen, an anderen kann ich auf Wunsch zusätzlich teilnehmen. Die halbe Stunde Tischtennis, die ich am Mittwoch zum ersten Mal gespielt habe, war die erste Einheit, die mich körperlich wirklich gefordert und mir richtig gut getan hat. Und am Donnerstagabend haben ein Mitpatient und ich spontan beschlossen, uns vor dem Abendessen in der Sporthalle noch ein paar Bälle um die Ohren zu hauen. Zu bestimmten Zeiten ist die Halle frei zugänglich und darf genutzt werden. Gleiches gilt für das kleine Schwimmbecken nebenan.

Ein Gerät scheint jedoch nichts für mich zu sein: das Laufband. Als ich gestern meine Physiotherapeutin getroffen habe, die mich hier betreut, beorderte sie mich ins Untergeschoss. Dort steht ein Laufband zwischen dem Schwimmbecken und der Sporthalle, auf dem ich eine Einheit absolvieren sollte. Bevor es losging dachte ich mir noch, das sei sicherlich eine gute Möglichkeit, um die Waden- und Oberschenkelmuskulatur sowie die Hand-Fuß-Koordination zu trainieren. Mag auch sein, dass dem so ist, nur habe ich später die Erfahrung gemacht, dass ich mich so schnell nicht wieder auf solch ein Teil stellen werde.

Die Einheit an sich war gar nicht mal das Problem. Das einzig Unvorteilhafte war, dass sich die beiden Haltestangen links und rechts ziemlich tief am Gerät befinden. Das Laufen auf dem Band war okay. Meine Therapeutin startete das Gerät und von Zeit zu Zeit erhöhte sie die Geschwindigkeit, mit der das Band lief. Nach 1000 von mir gelaufenen Metern reduzierte sie das Tempo allmählich wieder und das Band kam zum Stillstand. Die Einheit war beendet und ich stieg vom Gerät herunter. Kaum hatte ich wieder Teppichboden unter den Füßen wurde mir schwindlig. Es kam mir so vor, als ob sich der Boden in dem Tempo bewegen würde, mit dem sich das Band bewegt hatte. Ich torkelte zwei, drei Schritte nach rechts und dann nach links und sofort kamen die Erinnerungen an den L-Dopa-Test in Heidelberg wieder hoch. Im Anschluss an den Test war ich anderthalb Tage im Bett gelegen und plagte mich mit quälendem Schwindel und starker Übelkeit herum. Hoffentlich ging das jetzt nicht wieder los! Ich nahm meinen abgezeichneten Therapieplan und meine Wasserflasche und fuhr mit dem Aufzug auf meine Etage. Dort kontrollierte ich vor dem Schwesternzimmer meinen Blutdruck und nahm mir vor, den Rest des Tages gemächlich anzugehen und zu warten, bis sich der Schwindel etwas legt oder vielleicht auch ganz verschwindet.

Nach meiner letzten Anwendung habe ich gestern Nachmittag dann doch noch etwas unternommen. Ich bin mit dem Bus in die Stadt gefahren und habe ein, zwei Besorgungen gemacht. Aber obwohl sich der Schwindel weitestgehend gelegt hatte und Konstanz durchaus seine Reize hat, habe ich mich dort nicht sehr lange aufgehalten. Was nicht an der Stadt an sich, sondern viel mehr am dort häufig anzutreffenden Typ Mensch lag. Natürlich kann man nicht alle und jeden in eine Schublade packen. Aber mir gefällt dieser Schickimicki-Stil einfach nicht, der scheinbar überall dort zur Schau getragen wird, wo man von vielen anderen gesehen wird und sich entsprechend zeigen kann. Für meinen Geschmack ist die Innenstadt zu gut besucht von leicht bekleideten Menschen, die aufreizend légère durch die Gassen flanieren und den Eindruck vermitteln, als wüssten sie auch heute wieder nicht, für was sie ihr Geld eigentlich ausgeben sollen. Die Touristen wie auch die Schweizer Nachbarn, die bei gutem Wetter mal mehr, mal weniger zahlreich anzutreffen sind, stören mich dabei kaum.

Ich habe übrigens relativ lange überlegt, ob ich mit dem Rolli in die Stadt fahren soll. Nach den unguten Erfahrungen mit dem Laufband war ich doch etwas unrund auf meinen zwei Beinen unterwegs. Letzten Endes habe ich mich aber gegen den Rolli entschieden. Einerseits hatte sich der Schwindel größtenteils gelegt und andererseits habe ich mich nicht so recht getraut, alleine und ohne Übung im Rolli durch die Stadt zu fahren. Vielleicht war es die bessere Entscheidung, zuerst das Training in der Rolli-Übungsgruppe am kommenden Dienstag zu absolvieren und sich dann mehr vorzunehmen. Ich bin schon gespannt, was alles auf dem Programm steht und wie es sich anfühlen wird, wenn ich irgendwann zum ersten Mal alleine mit dem Rolli unterwegs bin.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Voller Bauch tut´s auch

Es gibt Dinge im Leben, bei denen man davon ausgeht, dass ein erwachsener Mensch sie beherrscht. Zu diesen Dingen gehört für mich auch die Fähigkeit, sich soweit zu vergewissern und zu orientieren, dass man in einem großen Bahnhof nur in den Fernverkehrszug steigt, den man auch gebucht hat. Gerade wenn es sich dabei um einen ICE handelt. Deshalb habe ich mich gestern etwas gewundert, als ich in meinem Abteil Zeuge einer Unterhaltung wurde, die ein Fahrgast mit einer Ticketkontrolleurin der Deutschen Bahn führte.

Der ICE nach Basel hatte vor einigen Minuten den Mannheimer Hauptbahnhof verlassen und ich saß auf dem Fensterplatz im Wagen 1, den meine Mutter für mich gebucht hatte. Die Schiebetür links von mir öffnete sich und ein Mann, ungefähr 45 Jahre alt, betrat das Abteil mit einem Koffer, den er hinter sich her zog. Einen kurzen Augenblick blieb er stehen und schaute ein wenig verwundert im Raum herum. Dann ging er ein paar Meter weiter und sprach die Dame von der Bahn an. Er suche seinen Sitzplatz, erklärte er ihr und hielt seinen Fahrausweis in ihre Richtung. Er habe zwar schon nach dem Platz gesucht, könne ihn aber nicht finden. Die Frau überflog sein Zugticket einige Sekunden und entgegnete ihm dann: „Sie sind ja auch im falschen Zug!“ Der Mann wusste zunächst für einen Moment nicht, was er sagen sollte. Dann fand er die Fassung wieder und meinte: „Das verstehe ich nicht. Ich habe doch extra nochmal geschaut!“ Das Ende vom Lied war wenig später, dass er ein paar Euro nachzahlte und von der Kontrolleurin ein zusätzliches Ticket mit einer neuen Verbindung ausgestellt bekam, mit der er sein Ziel sogar eine halbe Stunde eher erreichen würde. Was ihn in Mannheim am Bahnsteig möglicherweise irritiert hat war die Tatsache, dass der ICE Richtung Basel, in dem er gelandet war, normalerweise von Gleis 8 verkehrt und gestern ausnahmsweise von Gleis 5 gefahren ist. Auch ich war mit meinem Gepäck schon die ersten Treppenstufen zu Gleis 8 hinauf unterwegs, habe dann aber die Hinweis-Anzeige auf dem Monitor gelesen und wieder kehrt gemacht. Andererseits wurde der Gleiswechsel aber an beiden Gleisen auf den Monitoren angezeigt und auch mehrmals von einer Ansagerin mündlich angekündigt. Insofern hätte er eigentlich bemerken müssen, dass er in den ICE nicht hätte einsteigen dürfen.

Ansonsten verlief meine Anreise absolut störungsfrei und wie geplant. Amüsiert habe ich mich über einen Hinweis, mit dem ein Zugbegleiter die Passagiere per Lautsprecher-Durchsage über folgendes informierte: „Sis train do not stop in Offenburg. Please change at Karlsruhe.“ Respekt! Das hätte selbst Lothar Matthäus nicht besser formulieren können.

Um Punkt 15 Uhr bin ich aus dem Bus gestiegen, der wenige Meter vor dem Haupteingang der Klinik verkehrt. Wie es so üblich ist, führte mich mein erster Weg zur Anmeldung, wo man mich im Verlauf der Aufnahmeprozedur um 39 € erleichterte. 10 € habe ich als Pfand für meinen Zimmerschlüssel hinterlassen und 1 € habe ich für das Schlüsselband gelöhnt. Die restlichen 28 € durfte ich als sogenannte „Kurtaxe“ abdrücken, denn die Stadt Konstanz verlangt seit dem 01.01.2011 für jeden Reha-Patienten eine Gebühr von 2 € pro Tag. Freundlicherweise übernimmt meine Klinik die Hälfte dieser Kosten, wodurch für mich bei 28 Tagen Aufenthalt ein zu zahlender Restbetrag von 28 € entsteht. Vermutlich sind die allermeisten Patienten nicht sonderlich begeistert, wenn sie bei ihrer Anmeldung gleich zur Kasse gebeten werden. Man muss aber fairerweise dazu sagen, dass man als Gegenleistung zur Kurtaxe das Busnetz der Stadt gratis nutzen darf und bei zahlreichen Einrichtungen und Veranstaltungen eine Ermäßigung erhält. Und weil ich nicht immer gut zu Fuß unterwegs bin freue ich mich darüber, dass ich nicht jedes Mal 2,30 € zu zahlen habe, wenn ich mit dem Bus Richtung Hauptbahnhof oder zurück zur Klinik fahren möchte.

An Programm war für den ersten Tag gestern noch nichts für mich angesetzt worden. Ich bekam von einer Schwester ein paar Informationen zur Station und zu den Abläufen im Haus und wurde von der Stationsärztin zur Aufnahmeuntersuchung einbestellt. Soweit ich das bisher beurteilen kann, sind die Mitarbeiter sehr nett und hilfsbereit und bei Fragen jederzeit ansprechbar. Allerdings gibt es auch Dinge, die mir negativ aufgefallen sind und über die ich mich etwas wundere. So ist z.B. mein Bett etwas kurz und schmal geraten. Offenbar hat man sich bei der Ausstattung der Zimmer nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht, dass es Patienten geben soll, die größer als 1,75 Meter sind. Wenn man sich nachts zu sehr bewegt oder dreht könnte es passieren, dass man eine Etage tiefer weiterschläft und am nächsten Morgen etwas gegen Kopfschmerzen braucht. Und was mir besonders aufstößt ist das Fehlen einer WLAN-Verbindung auf meinem Zimmer. Wer im Internet unterwegs sein möchte, muss den Laptop, das Smartphone oder was auch immer einpacken und sich draußen im Flur an einen Tisch setzen, der sich möglichst in der Nähe der Internetstation befindet, die sich dort irgendwo befindet. Auf den Zimmern gibt es kein Netz. Da die Klinik über einen sehr guten Ruf in der Fachwelt verfügt wundert es mich schon, dass man den Patienten diesen Service nicht zur Verfügung stellt. Dazu kommt, dass in den Fluren gut sichtbare Hinweistafeln angebracht sind, man möge sich ab 23 Uhr nur noch in seinem Zimmer aufhalten. Wer sich (wie ich bspw.) lieber im Internet aufhält, als in seinem Zimmer vor dem Flimmerkasten zu sitzen, sollte sich seine Tour durch das weltweite Netz so einteilen, dass er spätestens um 23 Uhr sein Surfbrett wieder einpacken kann.

Es gibt aber auch Dinge, die mir hier gut gefallen. So liegt die Klinik z.B. direkt am Bodensee. Vom Speisesaal hat man einen schönen Blick auf die Wasserfläche und bis runter zum Ufer sind es nur ein paar Schritte. Die Innenstadt ist über eine Buslinie vor dem Haus gut und zeitnah erreichbar. Innerhalb des Gebäudes sind die Wege recht kurz und die einzelnen Therapiebereiche gut zu finden. Bisher hatte ich nur mit einigen wenigen anderen Patienten Kontakt. Aber das lockere zwischenmenschliche Klima erleichtert den Neuankömmlingen die Eingewöhnung im Haus. Fast jeder, mit dem ich bisher ins Gespräch kam, hat mir nach max. fünf Minuten das „Du“ angeboten. Ich finde es aber schon krass, wegen welchen anderen Erkrankungen die Leute teilweise hier zur Reha anreisen. Ein Mitpatient hat mir erzählt, er sei dabei gewesen, in einer Unterführung Neonröhren auszutauschen, als er plötzlich von der Leiter gefallen und mit dem Kopf auf dem Betonboden aufgeschlagen sei. Zumindest hätte man es ihm später so erzählt. Als Folge dieses Unfalls habe er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und sei einige Zeit im Koma gelegen. Da bin ich doch froh, dass sich mein Morbus Parkinson langsam und allmählich bei mir ausgebreitet hat und nicht die Folge eines Unfalls gewesen ist!

Im Verlauf des Vor- und des Nachmittages standen die ersten drei, vier Termine auf meinem Therapieplan. Richtig interessant war es aber noch nirgendwo, weil ich mich überall erst einmal vorgestellt und angemeldet habe. So z.B. um 13 Uhr für den Sport. Als Gruppen, in die er mich wegen meines Krankheitsbildes eintragen wird, nannte mir der freundliche Klinikmitarbeiter die Dehngruppe und die Rückenschule. Außerdem soll ich wohl auch auf dem Laufband trainieren und bei den Wasserübungen mitmachen. Bevor ich mich beim Sport angemeldet habe war ich mir etwas unsicher, ob ich gleich meine Sporthose und die Sportschuhe anziehen und unten in der kleinen Sporthalle womöglich gleich bei den ersten Übungen mitmachen soll. Denn da ich vorher gerade beim Mittagessen gewesen war, wäre das keine so gute Idee gewesen. Aber man hat mich noch verschont. Ich habe lediglich erklären müssen, weswegen ich als Patient hier bin und wo meine Defizite liegen. Ganz nach dem Motto: ´Ein voller Bauch tut´s heute auch.´ Dafür geht es morgen Früh gleich gut los. Um 9:00 Uhr steht die Wassergymnastik und um 10:15 Uhr die Gleichgewichtsgruppe auf dem Programm.

Nicht auf meinem Plan stand der spontane Besuch der Kontinenzberaterin, die um 14:15 Uhr bei mir in der Tür stand. Wir haben heute noch nicht ausführlich miteinander gesprochen und die nächsten Tage wird sie nicht da sein. Somit werden wir uns irgendwann in der Zeit zwischen Donnerstag und Samstag nächster Woche sehen. Was sie aber heute schon sagen konnte war, dass die Arzneimittel, die bei einer Harninkontinenz sonst zum Einsatz kommen können, bei Parkinson-Patienten kaum wirksam sind. Ich vermute mal, dass das mit den pathophysiologischen Veränderungen zusammenhängt, die beim Morbus Parkinson auftreten können. Es scheint bei dieser Erkrankung tatsächlich so zu sein, wie es mir bereits vom Assistenzarzt der Neurourologie in Heidelberg-Schlierbach prophezeit worden war: „Dein Problem wird sich im Laufe der Zeit eher verschlechtern als verbessern.“ Trotzdem hat es mich gefreut, dass die Schwester, die mich gestern von Seiten der Pflege aufgenommen hat, mein Einverständnis zu ihrem Vorschlag, ich könne mich beraten lassen, so zügig an die zuständige Stelle weitergegeben hat und ich sicher sein kann, dass man wieder auf mich zukommen wird.

Als letzter Programmpunkt stand für 15:00 Uhr die Anmeldung bei der Physiotherapie in meinem Plan. Zu meinem Erstaunen möchte die Therapeutin, die mich betreut, gar nicht mal so besonders viele klassische Übungen mit mir machen. Sie wird mich in die Rolligruppe einschreiben, damit ich in der nächsten Zeit lerne, sicher und kräftesparend im Rollstuhl unterwegs zu sein. Außerdem hat auch sie mir das Laufband als mögliches Ausdauertraining vorgeschlagen.

Ich werde die Inhalte der einzelnen Therapien und Kurse ganz entspannt auf mich zukommen lassen. Dem zufolge, was andere Patienten über ihre Anwendungen erzählen, machen die Therapeuten einen ordentlichen Job. Und obwohl ich noch immer hin und her überlege, ob eine Reha-Maßnahme wirklich die beste und am ehesten angezeigte Lösung für mich war, muss ich sagen, dass ich von der Professionalität und der Zuverlässigkeit der Mitarbeiter hier im Haus bisher einen sehr ordentlichen Eindruck habe.