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Mittwoch, 21. Mai 2014

Der Kümmelspalter im Wartestand

Mein letzter Post liegt mittlerweile schon wieder elf Tage zurück. Das hat unter anderem den Grund, dass es nichts neues gibt. Zumindest nicht von der Reha, die ich antreten soll. Und das geht mir inzwischen ziemlich auf den Zeiger!

Seit dem 24. April liegt mir nun schon der Bewilligungsbescheid der Deutschen Rentenversicherung für eine vierwöchige, stationäre Reha in Konstanz am Bodensee vor. Und noch immer habe ich von der Klinik weder etwas gehört, noch gelesen. Anfang Mai hatte ich telefonisch Kontakt mit der Belegabteilung. Man versicherte mir, ich stünde auf der Liste der Patienten, die zeitnah aufzunehmen seien. Ob man jetzt, fünf Wochen, nachdem ich in Heidelberg aus der Klinik entlassen worden bin, noch von ´zeitnah´ sprechen kann, sei mal dahingestellt.

Als meine Mutter, meine Tante und ich bei meiner Entlassung aus der Klinik am 11. April mit der Mitarbeiterin des Sozialdienstes über eine mögliche Rehabilitationsmaßnahme gesprochen haben sprach die Dame davon, dass es ratsam sei, eine solche Reha spätestens zwei bis drei Wochen nach der Klinik-Entlassung anzutreten. Das hat, wie der Kümmelspalter weiß, unter anderem den Grund, dass die positiven Auswirkungen, die die sehr guten Physiotherapie-Einheiten in Heidelberg auf mich hatten, nicht komplett verpuffen sollen. Ziel ist generell, die Wartezeiten der Patienten so kurz wie möglich zu halten, um den Schwung aus der Klinik noch etwas in die Reha mitnehmen zu können. Wie gesagt, mittlerweile sind es fünf Wochen, und ich weiß nicht, wieviel Schwung bei mir noch vorhanden ist. Ich habe mir während meines Klinkaufenthaltes zwar ein paar Übungen eingeprägt, die ich zuhause alleine machen kann. Aber in einer Reha absolviert man die Übungen eben unter Aufsicht und bekommt Tipps vom Fachmann dazu, was das Ganze somit deutlich wertvoller macht. Finde ich. Außerdem habe ich mir seit meiner Entlassung nach Hause auch keine Physiotherapie von meinem Schmerztherapeuten verordnen lassen. Denn ich musste und muss ja täglich mit Post aus Konstanz rechnen, dass ich anrücken darf. Daher wäre es nicht sinnvoll gewesen, wenn ich mir eine 6er-Verordnung hätte ausstellen lassen, von der dann nach zwei oder drei Einheiten womöglich Schluss gewesen und der Rest verfallen wäre. Wenn ich gewusst hätte, dass ich nach fünf Wochen immer noch auf Nachricht vom Bodensee warte, hätte ich natürlich längst eine Verordnung besorgt. Ich könnte wetten, dass ich dort längst ein Zimmer hätte, wenn ich privat krankenversichert wäre!

Der andere Grund, weshalb ich nun ein wenig Druck machen werde, ist der, dass mir meine Krankenkasse nur noch bis zum 2. Juni Krankengeld zahlt. Danach werde ich mich umschauen müssen, wann und wie es bei mir weitergeht. Ich möchte auf jeden Fall wieder arbeiten gehen, auch wenn es vielleicht erst einmal nur ein paar Stunden in der Woche sind. Mit 31 habe ich definitiv keine Lust, zuhause zu sitzen und die Wände anzustarren. Außerdem ist es ja auch nicht so, dass ich körperlich komplett unfähig bin. Ich finde, meine Erkrankung muss mit mir arbeiten gehen, und nicht ich mit meiner Erkrankung!

Vorgestern habe ich die Dame des Sozialdienstes in Heidelberg telefonisch informiert, dass ich noch immer kein Aufnahmedatum für Konstanz habe. Wir haben nicht lange miteinander gesprochen, aber immerhin meinte sie, sie kümmere sich darum. Schau´n mer mal!

Immerhin schlägt das Pramipexol ganz gut bei mir an. Ich bin, das gebe ich gerne zu, etwas von dem Zeitplan für die Dosissteigerung abgewichen, den ich mit meiner Neurologin erstellt hatte, und nehme schon seit Samstag dreimal täglich drei Tabletten mit jeweils 0,18 mg ein. Macht also 1,62 mg, die ich mir zurzeit pro Tag gönne. Normalerweise hatten wir diesen Schritt erst für den 21. Mai geplant. Aber da ich die Arznei bislang recht gut vertrage und auch eine leichte Besserung meiner Beschwerden wahrnehmen kann, habe ich den Termin ein wenig vorverlegt. Mit Pramipexol fällt mir das Laufen ein klein wenig leichter, und auch der Arm fühlt sich etwas freier an und schwingt beim Gehen etwas mehr mit. Und vor allem ist das Zittern meines rechten Arms beim Ausführen bestimmter Bewegungen besser geworden. Wenn ich z.B. in Bauchlage meine Bettdecke etwas nach oben ziehe, veranstaltet der Arm dabei nicht mehr ganz so viel ´Shake it, Baby!´-Spektakel.

Gestern habe ich mit meiner Neurologin telefoniert. Ich hatte ihr eine E-Mail geschrieben und um Rückruf gebeten, da ich am Sonntagabend die letzten Tabletten der 100er-Packung einnehmen werde, die sie mir Ende April verordnet hat. Wir haben vereinbart, dass sie mir eine Verordnung über 100 Tabletten à 0,18 mg und eine Verordnung über 100 Tabletten à 0,35 mg Pramipexol zuschicken wird, die ich heute Morgen zum Frühstück auch prompt aus dem Briefkasten geangelt habe. Respekt!  Pro Einzeldosis werde ich mir ab Montag einmal 0,18 mg und einmal 0,35 mg ins System schmeißen, was zusammen 0,53 mg ergibt und damit nahezu den 0,54 mg entspricht, die ich bisher als Einzeldosis nehme. Das Ganze gibt es dreimal am Tag und eignet sich gut, um sowohl die Kosten als auch die Anzahl der Tabletten zu senken, die ich tagtäglich schlucke. Wann wir dann den nächsten Schritt machen und die Dosis wieder ein wenig steigern, wird man sehen. Entweder werde ich das in Konstanz mit den Ärzten der Rehaklinik oder wieder mit meiner niedergelassenen Neurologin besprechen.

Leider haben sich bei mir neben der gewünschten Wirkung auch ein, zwei sog. unerwünschte Arzneimittelwirkungen eingestellt. Pramipexol ist z.B. dafür bekannt, dass es während der Einnahme zu sog. Schlafattacken und erhöhter Schläfrigkeit kommen kann. Es ist zwar längst nicht so, dass ich von jetzt auf gleich in den Dornröschen-Schlaf verfalle. Aber manchmal merke ich schon, dass ich auch tagsüber etwas müde werde und versuche dann, die nächsten ein, zwei Stunden etwas kürzer zu treten und mich ein wenig auszuruhen, wenn möglich. Was mir zurzeit aber deutlich mehr zu schaffen macht ist mein Gedärm. Bisher waren gut gewürzte Snacks und Mahlzeiten nie ein Problem. Und ich esse auch gerne scharf. Aber seit zwei, drei Wochen muss ich gut darauf achten, was ich esse.  Es kommt mir so vor, als hätte die Arznei meinen Darm etwas sensibilisiert. Schon kleine Mengen pikanter Nahrungsmittel können in meinem Bauch ein Gluckern verursachen und dafür sorgen, dass ich viel Luft im Darm habe und Bauchschmerzen bekomme. Ich vermute, dass auch mein Reizdarm, der bei mir seit einigen Jahren bekannt ist, da mit reinspielt. Jedenfalls kann es passieren, dass ich wenige Minuten nach dem Essen einen mehr oder weniger imperativen Stuhldrang verspüre, auch wenn der Darm eigentlich leer ist oder ich kaum etwas gegessen habe. Daheim ist das nicht so dramatisch, eher etwas nervig. Unterwegs aber muss ich das nicht unbedingt haben. Mir bekannte Triggerfaktoren sind z.B. größere Mengen kohlensäurehaltiger Getränke und Zartbitterschokolade. Etwas überrascht war ich jedoch gestern, als sich mein Gedärm nach dem Verzehr einer nicht allzu großen Portion Hühnerfrikassee ziemlich heftig zu Wort meldete und ich mich den Rest des Abends mit starken Blähungen und einem flauen Gefühl in der Magengrube herumärgerte. Denn bis auf etwas Salz war das Essen eigentlich nicht weiter gewürzt gewesen.

Da ich diesen Beitrag aber mit etwas Schönem beenden möchte füge ich ein Bild ein, das ich an einem Wochenende auf dem Klinikgelände in Heidelberg aufgenommen habe. Alles wird gut!


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