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Freitag, 23. Mai 2014

Ein Gaul muss her!

In den letzten Tagen habe ich mir nochmal ein paar Gedanken gemacht und habe überlegt, ob die Entscheidung, die ich getroffen habe, richtig ist. Aber je mehr ich darüber nachdenke und je intensiver ich die Pro- und Contra-Argumente gegeneinander abwiege, desto sicherer gelange ich zu der Überzeugung, dass mein Entschluss richtig und begründet ist und dass es eigentlich gar nicht so viele Contras gibt.

Ich finde: Der Ralle braucht einen Gaul! Und zwar nicht so einen fußlahmen wie die, die ich neulich in Heidelberg auf der Station geritten bin und die man alle drei Meter ermahnen muss, die Spur zu halten. Nein, es soll ein richtig flotter und auf mich und meine Körpermaße angepasster Gaul sein.

Gerade vorgestern, als ich mit Sam spazieren war, ist es mir wieder aufgefallen. Ich komme beim Laufen manchmal kaum einen Schritt voran und es fällt mir schwer, das rechte Bein anzuheben und einigermaßen zügig ein Bein vor das andere zu setzen. Meistens bin ich die ersten paar Minuten ganz gut unterwegs und merke dann nach ca. einer halben Stunde, dass mein Tempo und die Koordination langsamer bzw. schlechter werden. Aber vorgestern kam es mir vom ersten Schritt an so vor, als hätte ich Pudding in den Beinen. Und zwar in beiden, nicht nur im rechten. Wir waren rund 45 Minuten unterwegs, aber richtig weit kamen wir nicht. Damit habe ich mich inzwischen abgefunden, das kann ich akzeptieren. Was ich jedoch nicht akzeptieren möchte sind die körperlichen Probleme, die ich beim Gehen habe. Als ich anfing, das Pramipexol zu nehmen, hatte ich nach recht kurzer Zeit den Eindruck, als wäre mein Gangbild ein klein wenig besser geworden. Aber das war einmal. Mittlerweile ist es wieder genauso schlecht wie die letzten eineinhalb Jahre vor der Medikation auch. Vielleicht bessert es sich ja noch ein wenig, wenn ich die Dosis weiter steigere, wer weiß. Eines habe ich mir jedenfalls geschworen: Eine Situation wie die neulich in Heidelberg, als mich bei meinem Sonntagsspaziergang auf dem Rückweg zur Klinik ein paar hundert Meter vor dem Ziel plötzlich die Kräfte verlassen haben und ich kurz davor war, um Hilfe bitten zu müssen, wird es so nicht mehr geben! Außerdem möchte ich auch in Zukunft so mobil wie möglich bleiben und z.B. einen Spaziergang nicht deswegen ablehnen müssen, weil ich befürchte, unterwegs schlapp zu machen.

Deshalb habe ich gestern kurzentschlossen Sandra und Thomas besucht, die in einer Filiale eines Reha-Fachhandels arbeiten und beide selbst im Rolli sitzen. Von Sandra habe ich ja schon geschrieben. Sie ist in dieser Niederlassung für die Beratung und Versorgung bestimmter Inkontinenzpatienten zuständig. Thomas sitzt aufgrund einer Querschnittlähmung in seinem schicken Gefährt und kennt sich Sandra zufolge richtig gut mit Rollstühlen und deren Anpassung aus. Das kann ich seit gestern absolut bestätigen! Für halb Fünf hatte er sich etwas Zeit eingeplant und mich dann ungefähr eine Stunde lang über verschiedene Rollstühle und deren Ausstattungsmöglichkeiten sowie über die Abwicklung mit der Krankenkasse beraten. Probesitzen konnte ich in einem Avantgarde von Otto Bock und in Thomas´ eigenem Stuhl, einem Sopur Helium der Firma Sunrise Medical. Der Helium ist mir bereits vor einiger Zeit im Internet aufgefallen. Recht schnell hatte ich einen sehr positiven Eindruck von diesem Stuhl und muss sagen, dass sich mein Eindruck aus der Theorie nun auch in der Praxis voll bestätigt hat. Relativ leicht, gut zu fahren, wendig, ansprechendes Design - ein schickes Teil! Und da auch Sandra in einem solchen Flitzer unterwegs ist, kann er so ungeeignet nicht sein.

Thomas hat mir empfohlen, ich solle mir vom Hausarzt zusätzlich ein elektrisches Zuggerät verordnen lassen. Wenn ich das richtig in Erinnerung behalten habe mit der Begründung, dass ich das Teil dann vor den Rolli montieren und nutzen kann, wenn meine Arm- und Schultermuskulatur mal schlapp machen sollte und eine Pause braucht.

Um zum Wesentlichen zu kommen: Für einen Helium müsste ich ca. 500 bis 600 Kröten auf den Tisch legen, der Avantgarde wäre wohl ohne wirtschaftliche Aufzahlung zu haben. Sagt Thomas. Da das Zuggerät über eine Hilfsmittelnummer verfügt, bekäme ich das wohl für umme. Heute Vormittag hat Thomas mir eine E-Mail geschrieben, welche Angaben unbedingt auf den notwendigen Verordnungen stehen sollten. Am Montag bin ich um 11 Uhr bei der Ärztin, die in der Praxis meines Hausarztes tätig ist, und werde hoffentlich mit drei Einzelverordnungen über einen Aktivrollstuhl nach Mass, ein anatomisches Sitzkissen und ein elektrisches Zuggerät nach Hause fahren. Vielleicht könnten wir dann noch vor der Reha meine Rolli-Maße ausmessen und den Stuhl von der Krankenkasse genehmigen lassen. Glück auf!

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