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Donnerstag, 1. Mai 2014

Ein Taxi gen Himmel

Für gestern Mittag, 12:15 Uhr, hatte ich in der Praxis meiner niedergelassenen Neurologin einen Termin vereinbart. Es ging darum, die Ärztin zu informieren, wie es mir momentan geht, wie ich mit den Tabletten klarkomme und darum, zu fragen, ob ich die aktuelle Dosis steigern kann und soll. Zu meiner Überraschung habe ich erfahren, dass der vorläufige Arztbericht der Uniklinik Heidelberg noch immer nicht in der Praxis vorliegt. Was mich ziemlich gewundert hat, denn bei meiner Entlassung am 11. April habe ich als Patient ein Exemplar erhalten und dachte, drei weitere Ausführungen müssten nur noch an die drei von mir angegebenen Arztpraxen verschickt werden.

Aber gut. Der Rest des Gesprächs war eigentlich relativ unspektakulär. Das einzig erwähnenswerte ist, dass ich die Dosis der Tabletten ab heute schrittweise erhöhen soll. Bisher habe ich Pramipexol 0,18 mg im Schema 1/2 - 1/2 - 1/2 genommen. Der Plan, den ich gestern bekommen habe, sieht vor, dass ich es ab heute im Schema 1 - 1 - 1, ab dem 7. Mai im Schema 2 - 2 - 2 und ab dem 21. Mai im Schema 3 - 3 - 3 nehmen soll. Und damit ich während der Reha in Allensbach auch genug Tabletten dabei habe, hat mir meine Neurologin vorsichtshalber eine 100er-Packung verordnet. Hoffentlich vertrage ich die höheren Dosen so gut, wie ich die bislang eher niederen Dosen vertragen habe!

Bevor ich auf dem Rückweg ans Auto bin, habe ich mir in einem Ludwigshafener Einkaufszentrum noch ein Pfund Kaffee und zwei Fischsemmeln geleistet. Da ich noch nicht allzu viel Hunger hatte dachte ich mir, ich könne mein Vehikel auf dem Heimweg irgendwo abstellen und eine kurze Rast machen. Meine Wahl fiel schließlich auf den Platz, auf dem jedes Jahr im September das größte Weinfest der Welt stattfindet. Dort angekommen, fuhr ich ein paar Meter in Richtung der Platzausfahrt und stellte dann den Motor ab. Erst spät bemerkte ich, dass ca. 50 Meter links von mir ein mir gut bekanntes Flugobjekt gelandet war: ein dunkelgelber Hubschrauber mit der Aufschrift ADAC. Es konnte sich eigentlich nur um den Rettungshubschrauber Christoph 5 handeln, der an der BG-Unfallklinik in Ludwigshafen-Oggersheim stationiert ist. Scheinbar war der hiesige Notarzt bereits anderswo im Einsatz oder man hatte den Hubschrauber zusätzlich angefordert, um bspw. einen möglichst schonenden Transport eines Notfallpatienten sicherstellen zu können. Um die Maschine herum waren vier rot-weiße Hütchen aufgestellt und es war niemand zu sehen. Ich kramte eine der beiden Semmeln aus der Tüte, legte mir eine Serviette auf den Schoß und begann, die Semmel zu verzehren. Keine drei Minuten später war von irgendwoher plötzlich ein allmählich lauter werdendes Martinshorn zu hören, und kurz darauf konnte ich einen Rettungswagen (RTW) im Rückspiegel sehen. Er kam näher, hielt neben dem Hubschrauber an und einen Augenblick später wurde ein Mann auf einer Trage aus dem Fahrzeug geholt.

Bis hierhin war eigentlich nichts passiert, was man unbedingt in einem Blog veröffentlichen muss. Ein schwer erkrankter oder verunfallter Mensch wurde notfallmedizinisch versorgt und mit einem Helikopter in eine Klinik geflogen. Eine Versorgung, wie sie sich in Deutschland jedes Jahr tausende Male abspielt. Natürlich ist das ein recht spektakulärer Anblick, wenn der Pilot die Turbinen anlässt und so eine Maschine abhebt, keine Frage. Aber trotzdem ist es nicht so, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich nicht vor Ort gewesen wäre. Scheinbar sahen das vier ältere Herrschaften wohl etwas anders. Zwei Damen und zwei Herren. Für sie war das alles unglaublich spannend und faszinierend, was da gerade passierte. Und darum geht es mir. Deswegen schreibe ich hier darüber.

Ich sage es gleich vorweg: Sie haben niemanden bei der Arbeit behindert und sie haben auch kein Portraitfoto des Patienten geschossen. Aber muss das sein, dass man nicht mal 50 Meter vom Geschehen weg steht und glotzt, als werde gerade der erste Helikopter der Luftfahrtgeschichte in Betrieb genommen? Zunächst waren sie aus einiger Entfernung auf die Maschine zugelaufen und blieben dann stehen. Als kurz darauf der Rettungswagen vor Ort war, kamen sie noch ein Stück näher, sodass sie die Schiebetür des Christoph 5 schließlich direkt im Blick hatten. Und da die Versorgung und das Umladen des Patienten einen Augenblick dauerten, fanden sich weitere Schaulustige ein. Hinten schräg rechts auf Höhe des RTW standen ein älterer Herr und seine Begleiterin, und von vorne kam ein junger Mann angelaufen, der ein Mobiltelefon in der Hand hielt. Alle starrten gebannt geradeaus, während ich meine Semmel zu Ende kaute und überlegte, ob ich unterwegs noch etwas zu besorgen hatte. Als die Rettungskräfte den Patienten wenig später mitsamt Equipment im Helikopter untergebracht hatten und alle Türen verschlossen waren, startete der Pilot die Triebwerke. Die Rotorblätter begannen, sich immer schneller zu drehen, es wurde ziemlich laut und schließlich erhob sich das gelbe Taxi gen Himmel. Ich muss nicht erwähnen, dass der junge Mann es sich nicht nehmen ließ, währenddessen sein Telefon in die Höhe zu halten und das Spektakel zu filmen, oder?

Dem Patienten wünsche ich eine rasche und gute Besserung!

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